Schwerin: Mieterprobleme im Mueßer Holz weiter im Fokus

Auch weiterhin müssen die Mieterinnen und Mieter in der Ziolkowskistraße 37 in Schwerin ohne Fahrstuhl und größtenteils auch ohne Klingelanlage auskommen. Gerade für die Älteren stellt dies eine zunehmende Problematik dar. In Schwerin waren am Wochenende Unverständnis über das Nicht-Handeln von Eigentümer und Hausverwaltung groß - bis in die Stadtspitze hinein.

Das Gebäude Ziolkowskistraße 37 in Schwerin. | Foto: schwerin-lokal

In der Ziolkowskistraße 37 steht der Aufzug weiterhin still. Auch die Klingelanlage der 37 B funktioniert noch immer nicht. Die Mieter sind teilweise von der Außenwelt abgeschnitten. Während Frau Lehmann, Frau Schulze und Frau Meier, die unser Redakteur Stephan Haring am vergangenen Freitag besuchen durfte, sich auch weiterhin irgendwie zu Fuß die vielen Stufen hinunterquälen, sitzen andere Mieterinnen und Mieter ganz fest. Anders als die eigentlich zuständige Hausverwaltung Deutsche Immobilien Management (DIM) oder die Eigentümergesellschaft, Spree Zweite Beteiligung Ost GmbH, zeigt sich in Schwerin aber doch viel Empathie für diejenigen, die dem fragwürdigen Tun – oder besser Nicht-Tun – ihrer Verwaltung und Eigentümer scheinbar hilflos ausgeliefert sind.

 

Seit 24. Juni ist der Fahrstuhl im 5-Geschosser Ziolkowskistraße 38 defekt. | Foto: schwerin-lokal

Auch weiterhin sind Aufzug und Klingelanlage defekt

Eigentlich hatte die Deutsche Immobilien Management (DIM) ja gegenüber unserer Redaktion eine Fahrstuhlreparatur bis zum vergangenen Freitag zugesagt. Dass das nicht geklappt hatte, war unschwer zu erkennen. Ein Schreiben der DIM in den Postkästen der Mieter sorgte bei einigen für Hoffnung, dass nun doch etwas passiert. Oder zumindest eine Information kommt, wie es weitergeht. Mitnichten, es handelte sich vielmehr um die Ankündigung, dass die bisherige Ansprechpartnerin Susann Dieme durch eine neue , Fabienne Angileau, abgelöst wird. Ansonsten tat sich noch nichts am oder im Objekt. Um so mehr aber tat sich rund um unseren Artikel zur aktuellen Situation. So sprachen wir unter anderem mit Thomas Köchig, Geschäftsführer der WGS, um uns nach eventuellen Notfall-Lösungen für Mietparteien zu erkundigen, die möglicherweise noch länger in ihren Wohnungen feststecken könnten. Die WGS hatte in der Vergangenheit, dahin gingen auch unsere Gedanken, möblierte Wohnungen eingerichtet, um nach Feuer oder anderen Problemsituationen unverschuldet in Not geratenen Menschen in Schwerin unbürokratisch ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen. Darunter ist auch eine barrierefreie Wohnung zur temporären Anmietung. Sofort sagte der WGS-Geschäftsführer eine entsprechende Unterstützung zu, sollte konkret diese oder eine andere der Notwohnungen benötigt werden. Auch darüber hinaus bot Köchig im Rahmen seiner Möglichkeiten Unterstützung an.

 

Viel Zuspruch von verschiedenen Seiten

Deutliches Unverständnis nach unserem Artikel vom Samstag am Wochenende auch im Stadthaus. Der diensthabende Dezernent, Andreas Ruhl, nahm sich unverzüglich nach Bekanntwerden der Sache an. In einem Telefonat mit unserer Redaktion sagte er: „Wir haben mit absolutem Unverständnis zur Kenntnis genommen, dass der Hauseigentümer wie auch die Hausverwaltung die Mieterinnen und Mieter der Ziolkowskistraße derzeit regelrecht im Stich lassen. Es kann nicht angehen, dass man genau weiß, wie sehr die Menschen dort auf den Aufzug angewiesen sind, und scheinbar wissentlich eine Reparatur auf die lange Bank schiebt. Anders lässt es sich nicht erklären, wenn die Hausverwaltung einerseits von einer Auftragsvergabe schon vor mehreren Tagen spricht, und sich weder etwas tut noch scheinbar das zuständige Unternehmen etwas davon weiß.“ Ruhl, der auch mit seinem Dezernentenkollegen Bernd Nottebaum und WGS-Chef Thomas Köchig am Wochenende wiederholt zu der Situation in Kontakt stand, erklärte, die Stadt prüfe derzeit, ob und wie sie den Mietern vor Ort helfen könne. „Im Wesentlichen sind uns dabei die Hände gebunden, da es sich Privateigentum handelt. Aber einfach so eine solche Situation hinnehmen, das ist nicht drin“, so Ruhl.

 

Leserinnen und Leser erschrocken von den Zuständen vor Ort

Aber nicht nur von offizieller Seite erhalten die Mieter in der Ziolkowskistraße 37 Unterstützung. In zahlreichen Posts, Nachrichten und vor allem Mails die unsere Redaktion per Facebook oder auf dem Email-Weg erreichten und weiter erreichen, bringen die Menschen ihr Unverständnis über einen solchen Umgang mit Mietern zum Ausdruck. Und sie sprechen den Mietern der Ziolkowskistraße 37 Kraft und Mut zu. Speziell natürlich reflektierten viele dabei auf die Situation derjenigen, die schwer oder gar nicht mehr die Treppen hinunter kommen. Wiederholt kam dabei die Empfehlung, trotz aller Erschwernisse doch noch einmal über einen Umzug nachzudenken. So schreibt eine Leserin: „Bestimmt kann auch die WGS noch mit der einen oder anderen Wohnung helfen. Ich habe dort wirklich gute Erfahrungen gemacht, als ich einmal in einer privat schwierigen Situation war. Es ist noch einmal ein Kraftakt, aber dann wohnt man entspannt und ohne große Sorgen“.

 

Es gibt auch konkrete Überlegungen von Leserseite

Eine andere Leserin meldete sich, und berichtete von zwei Personen, die sie in ihrer Funktion als Medizinische Fachangestellte aus dem Praxisalltag kenne. Für beide sei die derzeitige Situation unzumutbar. Beide kämen nicht mehr die Treppen hinunter und seien derzeit auf Hilfe von außen angewiesen. Nachdem nun der Defekt des Fahrstuhls und damit diese unzumutbare Situation schon in die dritte Woche ginge, müsse man ernsthaft überlegen, ob hier nicht Leib und Leben gefährdet seien. Dann nämlich könnte auch die Praxis handeln.

Die Lage in der Ziolkowskistraße 37 bleibt für die Mieterinnen und Mieter also weiterhin angespannt. Inzwischen sollen sich nach unserer Berichterstattung auch weitere Medienvertreter bei den Mietern gemeldet haben, um über die Lage zu berichten. Eine ausreichende Öffentlichkeit scheint also gegeben. Ob dies allein reicht, um den scheinbar erforderlichen Druck auf Eigentümer und Hausverwaltung zu machen, bleibt abzuwarten. Ein gutes Signal aber ist die doch große Anteilnahme und die Gewissheit, dass man bis in die Stadtspitze die Lage im Blick hat, und Hilfe beispielsweise von Seiten der WGS zur Verfügung steht. Wir bleiben auf jeden Fall an der Sache dran.

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