Schweriner Welcome Cafes liefern „Blaupause“ in die USA

Im Sommer lernten Studentinnen aus Dultuth, Minnesota das Konzept der WelcomeCafes in Schwerin kennen. Sie waren von der Idee so angetan, dass sie diese gleich in ihrer Heimat aufgriffen. Vor wenigen Tagen war Premiere.

Almut Lüpkes, Rachel Arrow mit ihren Söhnen, Prof. Lynn Ammermann-Goerd und Stafanie Randby, die Initiatorin freuen sich über den Zuspruch der aus Schwerin importierten Idee in Duluth

Was würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen? „Meine Mary-Poppins-Tasche und meine Familie“, antwortet Rachel Arrow. Sie ist eine von rund 20 Gästen beim ersten Welcome-Cafe im Valley Youth Center in Dultuth, Minnesota. „Einen Pott Kaffee“, sagt Stepanie Randby und Abbey Ness würde ihr Handy mitnehmen, damit sie mit ihren Freunden in Verbindung bleiben kann.

In Verbindung mit anderen Menschen kommen, genau darum geht es Randby und Ness aus dem Team der Organisatoren des Twin-Port-Welcome-Cafe. Darum liegen auf den Tischen auch Zettel mit weiteren Fragen, mit deren Hilfe die Gäste, die sich bisher nicht kennen, leicht ins Gespräch kommen können. Und das klappt gut, wie die vielen Gespräche an diesem Abend zeigen. „In diesem Stadtteil leben die Leute oft nebeneinander her. Sie sehen sich, aber sie wissen nichts voneinander. Das möchten wir gerne ändern. Es wäre doch schön, wenn man seine Nachbarn kennt und weiß, was sie bewegt“, sagt Randby. Die Idee zu ihrem Welcome-Cafe kam den Organiatoren in Schwerin. Hier besuchten sie im Mai 2018 die Flüchtlingshilfe Schwerin e.V. und waren von den Begegnungen mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern sehr angetan. „Wir haben im Plattenpark in Neu-Zippendorf zusammen gearbeitet, gemeinsam gekocht, zusammen gegessen, gelacht und getanzt. Und das war wunderbar“, so Randby

„Im Cafe DAR haben Menschen mit Migrationsgeschichte über ihr Leben und ihre Wünsche und Sorgen gesprochen. Die Gespräche gingen richtig in die Tiefe. Das hat mich sehr berührt und den Leuten näher gebracht. Und Nähe verbindet“, meint Taylor Worly. Auch sie gehört zu denen, die dieses Cafe auf die Beine gestellt haben.

 

WelcomeCafe in Duluth möchte wandern

 

Eines wollen die angehenden Sozialarbeiterinnen anders machen, als sie es in den Schweriner Welcome-Cafes „Eiskristall“ oder „Buntes Q“ kennengelent haben. „Unser Welcome-Cafe wird durch die Stadtteile und umliegenden Orte wandern“, so Taylor Worly, „auf diese Weise bringen wir die Idee unter die Leute und vielleicht entsteht ja hier und da etwas mehr daraus.“

In Duluth, Minnesota leben rund 86.000 Menschen. In den 70ern waren es noch über 100.000. Dies ist vergleichbar mit Schwerin. Hier war es der Niedergang des Bergbaus, der zur Abwanderung vieler Bewohner führte. Mit etwa 3% liegt der Anteil der Migranten unter dem in Schwerin. „Allerdings muss man manche Leute immer mal daran erinnern, dass hier fast alle einen Migrationshintergrund haben – ausgenommen die Native Americans“, weißt Prof. Dr. Connie L. Gunderson auf die Geschichte der USA hin, „und das ist auch das Schöne hier, wir sind ein Land von Einwanderern“. Gunderson hat 2017 und 2018 die Besuche in Schwerin geleitet und ist nach wie vor begeistert von der ehrenamtlichen Arbeit, die hiet für Geflüchtete geleistet wird.

Gleich neben Duluth in Minnesota, auf der anderen Seite des Saint Louis River, liegt Superior im Bundesstaat Wisconsin. Die beiden „Zwillingsstädte“ verbindet der gemeinsame Hafen am Lake Superior. Daher kommt der Name des Welcome-Cafes „Twin-Port“. „Auch das ist Ausdruck der Verbundenheit“, meint Stephanie Randby. Wie in Schwerin möchten die Initiatoren Geflüchteten aus aller Welt das Ankommen erleichtern. In beiden Städten gibt es alleine 4 Hochschulen und viele Studenten aus aller Welt. Auch sie möchte die Gruppe gerne mit Einheimischen zusammen bringen.

Heute sind es u.a. Rachel Arrow und ihre beiden Jungs, Berit und Esmond. Sie hat über Facebook von dem Welcome Cafe erfahren und freut sich über neue Bekanntschaften und auch darüber, dass sich hier ein paar der anderen Gäste ein bisschen um ihre Kinder kümmern. Drei Jugendliche aus der Nachbarschaft schauen nach dem Footballtraining eher schüchtern durch die Tür. Das ändert sich, als sie den Billiardtisch und den leckeren Kuchen entdecken. „Coole Idee,“ meint Lee. Der 15 Jährige kam vor 2 Jahren mit seiner Mutteraus Alabma hierher. Ihm gefällt die Aussicht, endlich mal ein paar neue Leute zu treffen.

 

Viele Menschen haben Wurzeln in MV

 

Darunter werden in Kürze auch einmal Besucher aus Växjö in Schweden sein, denn Växjö ist die Partnerstadt von Duluth. Viele Menschen hier haben ihre Wurzeln in  Schweden und viele auch in Mecklenburg-Vorpommern. Dass Schwerin auch eine der Patnerstädte Växjös ist, scheint das fast kein Zufall mehr zu sein.

Aus Schwerin haben die Initiatoren nicht nur die Idee zu den Welcome Cafes mitgebracht. „Lesen International“ müsste bei uns eigentlich auch funktionieren“, meint Abbey Ness und klickt sich durch das Programm für den kommenden Samstag auf der Internetseite www.10-10-10.de.

 

So bestehen weiterhin gute Verbindungen in die Landeshauptstadt. Um in Kontakt zu bleiben, helfen die Sozialen Medien sehr. Überrascht waren die Gastgeber an diesem Abend dann, als Almut Lüpkes von der Schweriner Flüchtlingshilfe durch die Tür kam und sich unter die Gäste mischte. „Das ist richtig toll. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Almut war bei unserem Besuch in Schwerin eine wichtige Ansprechpartnerin und von ihren Erfahrungen konnten wir viel lernen“, sagt Randby, die sichtlich erfreut ist über den unerwarteten Gast. „Geplant war das nicht“, so Almut Lüpkes, „mein Mann und ich besuchen eine Freundin in der Nähe. Und als „Paten“ des „Twin Port Welcome Cafes“ freuen wir uns wirklich sehr, dass die Schweriner Idee der unkomplizierten, direkten und unmittelbaren Begegnung zwischen Menschen auch hier realisiert wird. Besser kann für ein friedliches und weltoffenes Miteinander doch gar nicht geworben werden. Und so bin ich heute wirklich gerne hier bei der Eröffnung“.

Wo und wann es das nächste „Twin Port Welcome Cafe“ geben wird, entscheidet das Team um Stefanie Randby nun nach dem Start. „Sicher ist, wir machen weiter. Die Idee ist so toll, da bleiben wir dran“, sagt sie und strahlt über die gelungene Premiere.

 

Carl Otte

Carl Otte ist freier Mitarbeiter der Digitalzeitung Schwerin-Lokal.de

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