So viel verdienen Schwerins Chefs landeseigener Unternehmen

Es ist das erste Mal, dass das Land einen Bericht über die Gehälter von Chefs landeseigener  Unternehmen vorgelegt hat. Während das Durchschnittsgehalt in unserem Land bei rund 30.000 Euro Jahresgehalt liegt, verdient mancher Boss in Betrieben mit Landesbeteiligung mehr als das Zehnfache. 

Bei den in Schwerin ansässigen landeseigenen Unternehmen ist es der Geschäftsführer der DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH, Hubert Ludwig, der mit 171.667 Euro der Spitzenreiter ist.

Für Finanzstaatssekretär Heiko Miraß, der den Bericht gestern vorstellte, ist es ein notwendiger Schritt von Transparenz.  „Die Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, zu wissen, was mit ihren Steuergeldern geschieht – und das gilt auch für die Vorstandsetagen öffentlicher Unternehmen.“, so Miraß.

Der Bericht bezieht sich auf das Jahr 2017 und listet 64 Betriebe, darunter Kliniken, die Studierendenwerke, die Häfen von Rostock, Wismar und Mukran oder staatliche Theater und Museen auf.

Spitzenverdiener unter den Geschäftsführern und Vorstandschefs ist der ärztliche Vorstand der Rostocker Uni-Klinik, Christian Schmidt. Er verdiente dem Bericht zufolge 327.500 Euro und bekam einen Dienstwagen, den er auch privat nutzen durfte. Mit weitem Abstand folgen Max Baur von der Uni-Klinik Greifswald mit 284.627 Euro, wobei rund 70.000 Euro davon als Erfolgszulage für zwei Jahre gezahlt wurden. 

 

DVZ-Geschäftsführer in Schwerin Spitzenreiter

 

Bei den in Schwerin ansässigen landeseigenen Unternehmen ist es der Geschäftsführer der DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern GmbH, Hubert Ludwig, der mit 171.667 Euro der Spitzenreiter ist. Allerdings sind 14.000 Euro davon Erfolgszulagen. Der Geschäftsführer von Invest MV, Michael Sturm kann sich jährlich über 170.496 Euro freuen. Dieses Gehalt erhält Sturm sogar ohne Erfolgsabhängigkeit. 

Etwas weniger verdienen mit insgesamt 143.588 Euro der Geschäftsführer der GSA – Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung
mbH, Dr. Hans-Peter Speiser und mit 139.359 Euro Robert Erdmann von der LGE Mecklenburg-Vorpommern GmbH. Erdmann hat mit 8.000 Euro einen erfolgsabhängigen Anteil seines Gehalts.

Glatt 130.000 Euro gehen jährlich auf des Konto von Lars Tietje, dem Generalintendanten des Mecklenburgischen Staatstheaters. 4.000 Euro davon sind erfolgsabhängig.  Der Geschäftsführer der  VMV Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, Detlef Lindemann ist im Vergleich zu anderen Geschäftsführern mit 118.154 Euro Schlusslicht. 

 

Sparkasse Mecklenburg-Schwerin verweigert Angaben

 

Nicht alle Chefs möchten aber offensichtlich diese Transparenz ihres Einkommens. So haben insgesamt 15 Unternehmen der insgesamt 64 Betriebe eine Auskunft verweigert. Darunter sind alle neun im Land befindlichen Sparkassen, also auch die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin. „Es ist bedauerlich, dass die Sparkassen sich immer noch beharrlich weigern, die Regeln, die für börsennotierte Banken schon lange gelten, bei uns im Land anzuwenden. Hier erwarte ich von den kommunalen Vertretern in den Aufsichtsgremien, sich noch intensiver und effektiver für eine Einhaltung des vom Gesetz vorgesehenen Verfahrens einzusetzen.“, reagierte Finanzstaatssekretär Miraß auf diese Tatsache. 

 

Immer wieder Debatten um Bezüge von Sparkassen-Vorständen

 

Bundesweit standen in der Vergangenheit die Gehälter der Sparkassen-Vorstände immer wieder in der Kritik. So im Jahr 2016. Damals hatten das Recherche-Netzwerk „Correctiv“ und die „FAZ“ auf Basis der 2014er-Geschäftsberichte ermittelt, dass die höchsten Vorstandssaläre bei der Hamburger Sparkasse (im Schnitt 854.000 Euro), bei der Kreissparkasse Köln (704.000 Euro) und bei der Sparkasse Hannover (614.000 Euro) flössen. Auch frühere Untersuchungen hatten immer wieder nahegelegt, die Arbeit von Sparkassen-Vorständen werde zwar teilweise mit hohen sechsstelligen Beträgen vergütet – aber nicht im Millionenbereich.

Recherchen des Branchen-Newsletters Finanz-Szene.de, die gerade erst vor ein paar Tagen veröffentlicht wurden, legen nahe, dass die Vergütung von Sparkassen-Vorständen weitaus höher liegen könnte als bisher angenommen. 

Laut den jeweils aktuellsten verfügbaren Geschäfts- und Offenlegungsberichten summierten sich zuletzt bei sage und schreibe mindestens 40 Sparkassen-Managern die Bezüge und Pensionsrückstellungen auf mehr als eine Millionen Euro. Bei zwei Führungskräften der Kreissparkasse Köln und einem Vorstand der Sparkasse Duisburg waren es sogar mehr als zwei Millionen Euro. Und bei der Hamburger Sparkasse kamen gleich drei Manager auf eine Vergütung zwischen 1,5 und 2 Millionen  Euro.

Dabei dürfte die tatsächliche Zahl der Einkommens-Millionäre über die von „Finanz-Szene.de“ ermittelten Fälle sogar weit hinausgehen. Denn: Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen lassen sich genaue Gehaltsstrukturen nur bei den Instituten in Nordrhein-Westfalen sowie bei ganz wenigen Großsparkassen nachvollziehen.

Manager der Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern werden nicht bei den  Beziehern von Einkommen über eine Millionen Euro benannt. Trotzdem liegt die Vermutung nahe, dass das Einkommen weit über dem liegen könnte, was andere Geschäftsführer landeseigener Betriebe erhalten. Offenbar wollte man hier Diskussionen vermeiden, in dem man die Offenlegung der Bezüger verweigert. 

 

Sparkasse Mecklenburg-Schwerin in kommunaler Hand

 

Zur Veröffentlichung der Beträge sind allerdings nur landeseigene Betriebe verpflichtet. In Unternehmen, an denen das Land nur beteiligt ist, sollen Landesvertreter in den Gremien lediglich auf eine Veröffentlichung hinwirken. 

Träger der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin sind allerdings die Landeshauptstadt Schwerin und der Landkreis Ludwigslust-Parchim. Auch hier haben Bürgerinnen und Bürger das Recht zu erfahren, was mit dem Geld geschieht.

Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt beträgt in Mecklenburg-Vorpommern für sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte knapp 30.000 Euro im Jahr. Dies entspricht aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit zufolge 73 Prozent des Bruttolohns in westdeutschen Bundesländern. Unser Land ist damit weiter das Bundesland mit den niedrigsten Löhnen deutschlandweit.

 

Zum vollständigen Bericht kommen Sie hier 

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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