Steffen Dobbert liest heute aus „Heimatsuche“ – inklusive bislang geschwärzter Passagen

Nachdem ein Gericht in einem besonderen Urteil für die Pressefreiheit entschied, kommt Autor Steffen Dobbert heute nach Schwerin und liest im "TISCH" aus seinem Buch "Heimatsuche: In 80 Tagen durch Mecklenburg-Vorpommern". Dabei erlaubt ihm ein ganz frisches Gerichtsurteil, auch die zwischenzeitlich geschwärzten Passagen zu lesen.

Steffen Dobbert liest aus seinem Buch. | Darstellung: Coverauszug / Hinstorff Verlag

Als der preisgekrönte Journalist Steffen Dobbert für sein Buch „Heimatsuche: In 80 Tagen durch Mecklenburg-Vorpommern“ recherchierte und dann nach und nach die Seiten füllte, ahnte er vermutlich schon, dass hier und da durchaus sprengstoffartige Textpassagen entstanden. Dass sich daraus aber ein mehrgliedriger Rechtsstreit entwickeln würde, dürfte er nicht unbedingt vorhergesehen haben.

 

Nach Veröffentlichung fanden sich Verlag und Autor vor Gericht wieder

Genau so aber kam es, denn das 2020 erschienene Buch, das unter anderem einen Korruptionsfall des ehemaligen Innenministers Lorenz Caffier behandelt, sorgte nicht nur für juristische Streitigkeiten. Es löste sogar in Mecklenburg-Vorpommern und über die Landesgrenzen hinweg eine Debatte über die Pressefreiheit aus und sorgte für eine Schwärzung von Teilen des bereits veröffentlichten Buches. Was aber war der Hintergrund? Der im Buch beschriebene Bürgermeister von Born, Gerd Scharmberg, hat insgesamt dreimal gegen den Hinstorff-Verlag und den Autor geklagt. Steffen Dobbert habe, so der Vorwurf des Bürgermeisters, ein Gespräch mit ihm „heimlich“ aufgenommen und in der Öffentlichkeit verwendet. Auch eine Überschrift, die da lautete „Die königliche Hoheit von Born“, womit Scharmberg gemeint war, missfiel ihm.

 

Vergleich führte zunächst zur Schwärzung von Passagen

Ein erstes Verfahren in Hamburg endete mit einem außergerichtlichen Vergleich und der Schwärzung des Buches. Kurze Textpassagen auf zwei Seiten des Buches verpflichtete sich der Verlag zu schwärzen. Darin ging es unter anderem um eine Tätigkeit von Scharmbergs Sohn im Kurbetrieb der Gemeinde, Aussagen des Bürgermeisters in Verbindung mit seiner Mitgliedschaft in der FDP sowie eine durch den Druck öffentlich gewordene Wahlaussage Scharmbergs zur AfD.

 

„Heimatsuche: In 80 Tagen durch Mecklenburg-Vorpommern“
Lesung mit Steffen Dobbert
17. Juni 2022 | 19.00 Uhr
Coworking-Café „TISCH“ | Martinstraße Schwerin

Aktuelles Urteil nun zugunsten des Autors

Der Autor bestritt aber auch danach stets den Vorwurf. Es sei klar gewesen, dass er Journalist sei, für ein Buchprojekt recherchiere und das Gespräch aufzeichne. Der Richter im zweiten Klagefall fand nun einen anderen Ausgang. Es kam nämlich zu einem Urteil. Dabei erläuterte der zuständige Richter in Stralsund, das Verfahren sei von besonderer Natur, da es „fundamentale Grundsätze“ in einer Demokratie berührte. Die Unabhängigkeit der Justiz sei ein hohes Gut, ebenso wie die Presse- und Meinungsfreiheit. Am Ende stand ein Freispruch für den Journalisten. Und schon wenige Tage nach dem Urteil kommt Steffen Dobbert heute nach Schwerin und liest aus eben seinem Buch – auch die bislang geschwärzten Passagen.

 

„Schwärzung des Buches war ein Fehler.“

Steffen Dobbert: „Die Schwärzung des Buches war ein Fehler. Umso mehr freue ich mich nach dem juristischen Freispruch, in Schwerin aus ‚Heimatsuche‘ lesen zu können. Es wird ein bunter musikalischer Abend, bei dem wir auf Nachtwanderung gehen, den berühmten MV-Song von Jürgen Maeno hören und auch über Rassismus und Pressefreiheit hierzulande reden werden.“

 

Heute Lesung auch einst geschwärzter Passagen

Am heutigen Freitagabend um 19 Uhr erwartet das Schweriner Publikum aber nicht nur deshalb eine besondere Lesung.  Denn neben Dobberts Lesung im Coworking-Space „Tisch“ in der Martinstraße begleitet der Berliner Liedermacher Jürgen Maeno die Veranstaltung musikalisch. Vor der Lesung wird es um 17 Uhr eine literarische Themenführung mit Jürgen Hingst geben, an die die Lesung direkt anknüpft.

 

 

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