Verändern kann man nicht vom Sofa aus

Nur noch wenige Tage: Dann heißt es am kommenden Sonntag auch für die Schwerinerinnen und Schweriner, ihre neue Stadtvertretung zu wählen. Insgesamt 45 Sitze hat das Stadtparlament zu vergeben. Quer durch die Parteien und Wählergruppen sind es auch junge Menschen, die am 26. Mai zukünftig die Geschicke der Landeshauptstadt mitbestimmen möchten.

Sebastian Hafemeister ist ganz und ganz Schweriner: „Schwerin ist meine Heimat und die Stadt liegt mir am Herzen.“

 

Sebastian Hafemeister ist seit 2012 Mitglied in der CDU. Als gebürtiger Schweriner liegt ihm die Stadt am Herzen. Daher möchte er sich zukünftig stärker in die Stadtpolitik einmischen. Was seine Vorstellung von erfolgreicher Kommunalpolitoik ist, darüber sprachen wir mit ihm. 

Schwerin-Lokal: Sie gehören ja eher zu den jüngeren Kandidaten für die Stadtvertretung Warum haben Sie sich entschlossen zu kandidieren?

Sebastian Hafemeister: Schwerin ist meine Heimat und die Stadt liegt mir am Herzen. Ich wurde hier geboren, bin hier aufgewachsen und möchte auch in Zukunft hier leben. Es gibt aber einige Dinge, die mich stören und ich gerne zum Positiven verändern möchte. Das kann ich nicht vom Sofa aus, sondern am besten in den politischen Gremien unserer Stadt.

Schwerin-Lokal: Was ist Ihnen an Schwerin wichtig?

Sebastian Hafemeister: Schwerin ist eine wunderschöne Stadt, die mit dem Schloss und den Stadtteilen perfekt in die Natur eingebunden ist. Als Einwohner nehme ich dies eigentlich viel zu selten wahr, weil ich eben jeden Tag daran vorbeigehe. Wenn ich mir dann allerdings bewusst einige Momente nehme und mir z. B. das Schloss, die Innenstadt oder die Natur mit den Seen anschaue, dann bin ich immer wieder begeistert, wie schön es hier ist. Dieses Erbe gilt es einerseits zu bewahren und andererseits aber auch die Bedürfnisse der Einwohner damit in Einklang zu bringen.

Schwerin-Lokal: Welche Themen meinen Sie für die Kommunalpolitik konkret?

Sebastian Hafemeister:  So schön die Stadt auch sein mag und mit einem möglichen UNESCO-Welterbe noch mehr Touristen anlocken und Einnahmen generieren würde, für die Einwohner zählen dann doch eher Themen, wie Bildung, Arbeit, Wohnen und Gesundheit. Primär muss die Kommunalpolitik deswegen die Interessen der Einwohner im Blick haben und die Voraussetzungen schaffen, dass es sich hier gut leben lässt.

 

Der Hauptgrund war vor allem die erfolgreiche Politik

 

Schwerin-Lokal: Sie treten zum ersten Mal an. Wie kommt es, dass sie auf der Liste der CDU gelandet sind? Hat Sie das Parteiprogramm überzeugt oder die Leute vor Ort?

Sebastian Hafemeister: Seit 2012 bin ich Mitglied der CDU und der Jungen Union, aber hatte schon deutlich vorher Sympathien für die Partei. Der Hauptgrund war vor allem die erfolgreiche Politik und dass ich mich mit einem Großteil des Programms identifizieren konnte. Der Anlass dann endgültig einzutreten  lag aber in der Anfangsphase meines Studiums begründet. Einige meiner Kommilitonen waren Mitglieder der SPD, Grünen oder Linken und ich merkte, dass ich andere Ansichten zu vielen Themen hatte und wollte dem etwas entgegensetzen. Zu Beginn war ich dann vor allem in der Jungen Union aktiv und ging später auch vermehrt zu Veranstaltungen der CDU. In der Folge habe ich mich intensiver eingebracht weil es mir Spaß macht mit anderen Menschen über Politik zu reden, aber auch weil interessante Veranstaltungen angeboten wurden und Mitglieder dabei waren, mit denen ich mich gut verstanden habe.

Schwerin-Lokal: Wenn Sie in die Stadtvertretung gewählt werden sollten, was werden Ihre Hauptthemen sein?

Sebastian Hafemeister: Mir sind drei Themenkomplexe besonders wichtig. Eine sichere und saubere Stadt. Eine junge und lebendige Stadt. Die Stärkung des Rad- und Nahverkehrs.

Ich möchte, dass sich alle Menschen in Schwerin sicher und wohl fühlen. Vor allem auf dem Marienplatz war die Sicherheitslage in den vergangenen Jahren allerdings ein großes Problem und unser zentraler Platz hat sich zu einem Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt. Mit der Videoüberwachung und einer verstärkten Polizeipräsenz wurden erfolgreiche Maßnahmen umgesetzt, die ich absolut unterstütze. In vielen Gesprächen mit Bürgern stellte sich heraus, dass es nachts zu viele dunkle Bereiche gibt. Wir müssen deshalb wieder mehr Straßenlaternen in der Nacht leuchten lassen und somit das Sicherheitsgefühl vieler Bürger erhöhen. Ein großes Ärgernis sind zudem die unzähligen Graffitis im gesamten Stadtgebiet. Die Stadt muss in Zukunft intensiver dagegen vorgehen und Graffitis schneller als bisher entfernen, um den Sprayern den Spaß daran zu nehmen. Es sollte aber auch über mehr freigegebene Flächen für die Sprayer nachgedacht werden, um illegale Graffitis für sie unattraktiver zu machen.

Zudem möchte ich ein junges und lebendiges Schwerin. Wir müssen die Bedürfnisse der jungen Einwohner mehr im Blick behalten und deutlich mehr Angebote schaffen, dass sie Schwerin nach ihrer Schulzeit nicht mehr so schnell verlassen. Dafür brauchen wir vor allem ein positives Klima in den städtischen Gremien und der gesamten Stadt, wenn es um die Genehmigung von Veranstaltungen, Clubs, Bars oder Kneipen geht. Auch benötigen wir mehr attraktive öffentliche Grillplätze in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt. Die Stadt gehört nämlich allen Schwerinern, auch den jungen.

Ein drittes Thema welches ich für äußerst wichtig erachte, ist die Stärkung des Radverkehrs. Viele Geh- und Radwege sind in einem schlechten Zustand und laden nicht unbedingt zum täglichen Radfahren ein. Schwerin ist aufgrund seiner relativ kurzen Wege aus fast allen Stadtteilen in die Innenstadt allerdings prädestiniert hierfür und deswegen brauchen wir gut ausgebaute Radwege, um den Umstieg vom Auto auf das Rad attraktiver zu machen. Auch für den Einsatz eines Nachtbusses nach Rostocker Vorbild werde ich mich einsetzen. Bisher sind Stadtteile wie Friedrichsthal, Neumühle oder Krebsförden am späten Abend oder in der Nacht nur schwer zu erreichen. Hierbei kann ein Nachtbus Abhilfe schaffen, der circa jede Stunde vom Marienplatz fährt und im Anschluss in jedem Stadtteil hält, in dem keine Straßenbahnanbindung vorhanden ist. Dadurch würde der Heimweg für viele Menschen sicherer, schneller und günstiger werden.

 

Es bedarf  Geduld und stetigen Einsatz

 

Schwerin-Lokal: Wie wollen Sie diese angehen?

Sebastian Hafemeister: Wenn ich meine Themen umsetzen möchte, muss ich diese immer wieder mit Nachdruck ansprechen. Die von mir angestrebte Testphase eines Nachtbusses in allen Stadtteilen wurde z. B. auf meine Initiative hin mit deutlicher Mehrheit in das CDU-Kommunalwahlprogramm aufgenommen. Als nächstes hieße es für mich das Thema in der Fraktion auf die Tagesordnung zu setzen und mit einem schlüssigen Konzept die anderen Fraktionsmitglieder und dann die Mehrheit der Stadtvertretung davon zu überzeugen. Hierbei bedarf es aber Geduld und stetigen Einsatz.

Schwerin-Lokal: Wie viel Zeit würden Sie für die Arbeit in der Stadtvertretung aufbringen können?

Sebastian Hafemeister: Kommunalpolitik ist sehr zeitintensiv, das ist mir bewusst. Sollte ich Stadtvertreter werden, muss ich die Zeit an anderer Stelle einsparen und vielleicht hin und wieder auf das Fußballtraining und Freizeitaktivitäten verzichten. 5-10 Stunden pro Woche werde ich aber regelmäßig für Sitzungen und Vorbereitungen der Sitzungen aufbringen können.

 

Intensiv auf den persönlichen Kontakt vor Ort setzen

 

Schwerin-Lokal: Verfolgt man den Wahlkampf der jungen Kandidaten in den sozialen Netzwerken, so fällt auf, dass vor allem die Jungen bei der CDU wenig auf Kommunikation dort setzen. Warum ist das so?

Sebastian Hafemeister: Ja, das ist richtig, unsere jungen Kandidaten hätten deutlich aktiver in den sozialen Netzwerken sein müssen. Diese Möglichkeit nutzten wir leider nicht ausreichend genug. Schaut man sich allerdings die Likes, Teilungen und Kommentare bei anderen Kandidaten an, ist der Wirkungskreis doch sehr begrenzt und meistens auf Mitglieder der eigenen oder anderer Parteien begrenzt. Sicherlich sind die sozialen Netzwerke ein Baustein für ein erfolgreiches Ergebnis, aber bei einer Kommunalwahl nicht so entscheidend, wie bei Bundestags- oder Europawahlen mit deutlich größeren Wahlkreisen.

Wir haben im Gegenzug allerdings intensiv auf den persönlichen Kontakt vor Ort gesetzt. Während der letzten Wochen verteilte ich ca. 10.000 eigene Flyer im Wahlbereich 1 und klingelte an über 600 Haustüren. Dabei kam ich mit vielen Menschen in Gespräch, erhielt Rückrufe und E-Mails mit Fragen und Erfolgswünschen. An den Gesichtern der Menschen lassen sich Emotionen ablesen und wie sie mir gegenüber eingestellt sein könnten, Analyse-Tools der sozialen Netzwerke können das nicht. Das zählt für mich deutlich mehr und ist hoffentlich im Endeffekt auch nachhaltiger, als eine gut gepflegte Facebookseite.

Schwerin-Lokal: Wo erreichen Sie junge Menschen?

Sebastian Hafemeister: Viele Informationen und Themen nehme ich natürlich zuerst bei den Mitgliedern der Jungen Union auf, die in Schwerin zwischen 15 und 35 Jahren alt sind und selbstverständlich auch tagtäglich mitbekommen, was für ihre Freunde oder Mitschüler wichtig ist. Mit der Jungen Union erreichen wir auch regelmäßig junge Menschen bei verschiedenen Aktionen oder Veranstaltungen. Letzte Woche waren wir etwa auf der nordjob-Messe vertreten und kamen mit vielen jungen Menschen ins Gespräch oder wir betreuen seit einigen Jahren einen eigenen Stand beim Schulsanitäter-Wettkampf des DRK. Bei solchen Veranstaltungen versuchen wir jungen Menschen die Politik näher zu bringen und welchen großen Einfluss diese auf ihr tägliches Leben hat. Leider muss ich aber feststellen, dass z. B. Diskussionsrunden an Schulen mit Vertretern der politischen Jugendorganisationen rar gesät sind. Dies erschwert den Kontakt zu vielen Schülern und fördert nicht unbedingt die politische Bildung.

Schwerin-Lokal: Die CDU ist in den Augen vieler Menschen ja eher die Partei der Rentner und Gutsituierten. Warum sollen junge Menschen denn überhaupt die CDU wählen?

Sebastian Hafemeister: Weil die Politik der CDU seit Jahrzehnten für Verlässlichkeit und Erfolg steht. Nicht ohne Grund sind die meisten Deutschen zufrieden mit ihrem Leben in unserem Land und andere Länder bewundern uns für unseren Erfolg. Einen gewissen Anteil daran haben wir auch der CDU zu verdanken. Wir betreiben eine Politik mit Augenmaß und versprechen den Menschen nicht das Blaue vom Himmel. Das mag für junge Menschen nicht immer anziehend und rebellisch genug wirken, ist aber auf lange Sicht die beste Option. Deswegen kann ich jungen Menschen nur empfehlen, am 26. Mai die Kandidaten der CDU zu wählen.

Schwerin-Lokal: Was sind Ihre positivsten Erfahrungen im laufenden Wahlkampf gewesen?

Eine Situation während des Haustürwahlkampfes ist mir besonders positiv in Erinnerung geblieben. Als ich in Neumühle an einem wärmeren Tag unterwegs war und eigentlich nur einen Flyer von mir überreichen wollte, bot mir ein älteres Ehepaar an, sich kurz mit ihnen in den Garten zu setzen, etwas zu trinken und sich zu unterhalten. Ich setzte mich dann einige Minuten zu ihnen und wir sprachen munter über die Politik und Schwerin.

Ansonsten empfand ich es immer als positiv, wenn die Menschen mir offen gegenüber waren, gelächelt haben und ein kurzes Gespräch über die für sie wichtigen Themen zustande kam. Als Kommunalpolitiker ist man schließlich auf die Meinungen der Bürger vor Ort angewiesen, um Probleme zu erkennen und zu lösen. Deswegen ist eigentlich jedes konstruktive Gespräch eine positive Erfahrung.

Schwerin-Lokal:  Sollte es am 26. Mai mit der Wahl in die Stadtvertretung nicht klappen, engagieren Sie sich dann weiter in der CDU?

Selbstverständlich. Die CDU ist meine politische Heimat und ich mache mein Engagement innerhalb der Partei nicht davon abhängig, wie viele Bürger mich wählen oder auch nicht. Die Mitarbeit in der CDU hat mir in den letzten Jahren viel Spaß gemacht und deswegen werde ich auch in Zukunft engagiert dabei bleiben.

Stefan Rochow

Journalist, Unternehmer und Gründer der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Sie erreichen mich per E-Mail unter redaktion@schwerinlokal.de

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