Zwei Hebel und eine Kugel in Schwerin

Flipper ist cooler als die Playstation
Flipper ist cooler als die Playstation

(sr). Früher gehörten sie zu jeder Standartausstattung in Kneipen und Treffs. Auf Campingplätzen konnte man sie genau so antreffen wie teilweise selbst an Tankstellen: Die Rede ist vom Flipper. Noch in den 70 er Jahren wurden in der Flipperautomaten-Industrie mehr Umsätze gemacht als im Filmgeschäft.

Das Spielprinzip an den Automaten ist einfach: Mit Hilfe von zwei beweglichen Flipperhebeln versucht man, eine polierte Stahlkugel auf eine leicht ansteigende Spielfläche gegen sogenannte Bumper und andere Hindernisse krachen zu lassen. Dafür erhält man dann Punkte. Ziel ist es daher, möglichst viele Punkte einzusammeln. Geld kann man dabei nicht gewinnen. Trotzdem hält sich bis heute das Vorurteil, das es sich beim Flippern um ein Glückspiel handelt.

Ein Museum zum Spielen
 

Der größte Flipperautomat der Welt nun in Schwerin
Der größte Flipperautomat der Welt nun in Schwerin

Inzwischen sind die Flipperautomaten fast vollständig aus der Öffentlichkeit verschwunden. Eine Großstadt wie Hamburg hat beispielsweise nur noch einen einzigen öffentlich zugänglichen Ort mit Flipperautomaten. “Die Freizeitkultur hat sich verändert. Vieles, was früher nur in Kneipen oder Bars stattfand, kann heute zu Hause erlebt werden. Die Gemeinschaft verlagert sich nach innen”, sagt Arne Hennes, der Leiter des Flippermuseums in Schwerin. Der gemeinnützige Verein, der seit 2006 das Museum betreibt, möchte “Glücksmomente schenken”. In den 16 Themenzimmern, die die unterschiedlichsten Aspekte der Flipperkultur darstellen, des Museums kann der Besucher nicht nur Geschichte sehen, sondern ist ausdrücklich aufgefordert, selber mitzumachen. Das Flippermuseum Schwerin lädt daher nicht nur zur Besichtigung der über 100 Exponate ein, die die Entwicklung der Flipperautomaten von Anfang der 30 er Jahre bis in die Neuzeit hinein dokumentieren. Die Besucher können an den Automaten auch spielen und damit den Flipperkult, der über viele Jahrzehnte herrschte, hautnah miterleben. Dieses Konzept eines Museums zum Spielen kommt an.

Neben dem normalen Museumsbetrieb feiern inzwischen auch Vereine und Betriebe im Flippermuseum und erleben dort unvergessliche Stunden. Auch Kindergeburtstage erfreuen sich dort großer Beliebtheit.

Ausflug in die Geschichte
 

Flipper spielen als Gemeinschaftserlebnis
Flipper spielen als Gemeinschaftserlebnis

Arne Hennes führt uns durch die Räumlichkeiten. Jeder Raum ist thematisch geordnet. So gibt es einen Space-Raum, einen Film- und TV-Raum und einen “Motor -Show”-Raum. In jedem dieser Räume erlebt man, wie die Flipperindustrie diese Themen in ihren Automaten umgesetzt hat. Man begegnet hier beispielsweise Filmhelden wie Indiana Jones, The Addams Family, Star Trek, Capt. Fantastic und viele anderen. Sie holen einen noch einmal in die Jugend zurück. Immer wieder fühlt man sich aufgerufen, selbst einmal ein Probespiel zu starten. Am Flipper stehend, kann man die Begeisterung von Arne Hennes für seine Exponate verstehen. Man muss sich hier selbst disziplinieren, am Flipperautomaten nicht die Zeit zu vergessen. Das Spiel am Flipper ist am Ende doch realer als Computerspiele – das macht sicherlich den größten Reiz aus.

"Motor-Power" - einer der 16 Themenräume des Museums
„Motor-Power“ – einer der 16 Themenräume des Museums

Jeder Flipper im Museum erzählt eine Geschichte. Auf einem Flipper spiegelt sich die vermeintlich heile Welt der 50 er Jahre und auf einem anderen Flipper kann man sehen, wie sich auch die Einstellungen der Menschen in den 60 er Jahren veränderten. Beat-Kultur und bauchfreie Damen tummeln sich hier als Motiv auf den Flipperautomaten. Man bekommt sehr schnell eine Vorstellung davon, dass man hier auch ein Stück Lebensgeschichte durchläuft. Schräg wird es dann auf den Exponaten der 80 er Jahre. Dort leuchten lasziv Playboy-Bunnys, strahlen schlanke Fitness-Schönheiten in knapper Aerobic-Kluft oder schneiden muskelbepackte Catcher-Kolosse grimmige Fratzen. Flipperautomaten als Ausdruckform des Zeitgeistes.

Ein besonderes Stück und der Stolz des Museums ist der “Hercules”. Dieser Flipperautomat ist der größte Automat der Welt. Im Jahr 1979 wurden davon 280 Stück gebaut. Etwa 20 Automaten gibt es heute noch weltweit. Ein Gerät steht nun hier in Schwerin.

Pinball-Spiele gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Nägel, also Pins, leiten die Stahlkugel. Später kommen die runden “Bumper” für die Wege hinzu sowie Ziele und Löcher. Der Flipperhebel wird 1947 in den USA erfunden. Mit ihm kann man die Kugel in Bewegung halten. Videospielautomaten verdrängen die Flipper seit den 80 er Jahren. Im Flippermuseum Schwerin kann man die Zeit noch einmal zurückholen. Wer das Museum einmal besucht hat, kann verstehen, dass viele junge Gäste danach sagen: So ein Flipper ist viel cooler als die Playstation.

Mehr Touristen als Schweriner
 
Unzufrieden ist Arne Hennes und sein Verein nach wie vor mit dem Bekanntheitsgrad des Museums. So würden bis heute viele Schweriner gar nicht wissen, dass es dieses Kleinod in ihrer Stadt gibt. Es sind daher auch mehr Touristen als Schweriner, die sich zu einem Besuch des Museums entschließen. Das hängt sicherlich auch mit der Lage zusammen. Da das Flippermuseum Schwerin ehrenamtlich betrieben wird und sich ausschließlich aus den Eintrittseinnahmen und Spenden finanziert, ist es dem Trägerverein leider nicht möglich, hohe Mieten zu bezahlen. Aus diesem Grund liegt das Museum in der Friesenstraße 29 etwas außerhalb und ist für Ortsfremde auch nicht immer leicht zu finden.
In nächster Zeit wird die neue Standortsuche für den Verein akut werden, da ein Abriss des jetzigen Gebäudes geplant ist. Der Verein mit seinen begrenzten Möglichkeiten hat sich hier auf die Suche nach einem neuen Lokal begeben. Leicht gestaltet sich das nicht. “Wir würden uns mehr Unterstützung durch die Stadt wünschen”, sagt Hennes uns im anschließenden Gespräch.

flimu_hausDas Flippermuseum hat am Freitag von 20:00 – 23:00 Uhr und Sonntag von 14:00-18:00 Uhr geöffnet. Öffnungszeiten neben den regulären können vereinbart werden. Der Eintritt kostet acht Euro für Erwachsene und drei Euro für Kinder. www.flippermuseum-schwerin.de Für eine Führung meldet man sich am besten an unter info@flippermuseum-schwerin.de

Redaktion

der digitalen Tageszeitung Schwerin-Lokal.de. Tel: (0385) 480 739 77 | E-Mail: redaktion@schwerinlokal.de

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