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„Schaden genommen” und „Unkenrufe”: Neuerscheinungen im Mecklenburger Buchverlag

Schwerin, 24.06. 2016 (red/pm). Im Mecklenburger Buchverlag sind in den letzten Tagen zwei interessante Bücher erschienen.

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  • Veröffentlicht Juni 24, 2016

Schw­erin, 24.06. 2016 (red/pm). Im Meck­len­burg­er Buchver­lag sind in den let­zten Tagen zwei inter­es­sante Büch­er erschienen. 

 

Die Autorin Marthe Wahl wurde 1957 in Neubran­den­burg geboren und hat eine bemitlei­denswerte Kind­heit hin­ter sich gebracht.  Sie ver­bringt Ihre Kind­heit im Kinder­heim, bei den Eltern und bei der Groß­mut­ter. Begin­nend im früh­stem Kinde­salter wird sie von ihrem Vater jahre­lang schw­er miss­braucht und gequält. Ihre Mut­ter stirbt, weil sie es nicht sehen möchte. Um Angst, Gewalt und Schmerzen zu ertra­gen und um zu über­leben, flüchtete sie in die Welt der VIELEN. Seit Jahren kämpft sie um eine angemessene Opfer­entschädi­gung. Heute lebt sie als anerkan­nte mul­ti­ple Per­sön­lichkeit in einem kleinen Ort an der Ost­seeküste.

 

Mit zwei bemerkenswerten Büch­ern, hat sich die Autorin nun inter­es­sant und sehr per­sön­lich mit Ihrer Ver­gan­gen­heit auseinan­derge­set­zt. Mit Ihrem ersten Buch „Schaden genom­men” kämpft sie um Gerechtigkeit. Für sie geht das momen­tan gültige Opfer­entschädi­gungs­ge­setz nicht weit genug und sie regt in ihrem Buch eine Neunov­el­lierung an.

 

Bei Opferschutz stärker den Geschädigten in den Blick nehmen

 

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Das vor­liegende Buch von Marthe Wahl ist die Doku­men­ta­tion eines Kampfes gegen Behör­den und Rechtsvorschriften.

 

Der Leitgedanke des Opfer­entschädi­gungs­ge­set­zes (OEG) ist die Ver­ant­wor­tung des Staates, seine Bürg­er vor Schädi­gun­gen durch krim­inelle Hand­lun­gen und Gewalt­tat­en zu schützen. Denn, wie das Bun­dessozial­gericht in einem Urteil vom 7. Novem­ber 1979 fest­stellte, ist der Staat Träger des Gewalt­monopols und der Ver­brechensver­hü­tung und ‑bekämp­fung. Ver­sagt dieser Schutz, so haftet der Staat dem Opfer. Einen Anspruch auf Ver­sorgung gemäß OEG hat, wer durch einen vorsät­zlichen, rechtswidri­gen, tätlichen Angriff an der Gesund­heit geschädigt ist.

 

Wer entschei­det darüber, ob ein Anspruch auf Ver­sorgung beste­ht? Wer befind­et über die Glaub­würdigkeit von Erin­nerun­gen an Ereignisse, die teil­weise viele Jahre zurück­liegen? Wer hat den Anspruch an sich und die Antrag­stel­len­den, Geschehenes so umfassend zu rekon­stru­ieren, wie es erforder­lich wäre?

 

Die detail­lierten Befra­gungs­bö­gen der Behör­den erscheinen nackt und kahl, markieren sie doch den Ver­such, trau­ma­tisieren­den Ereignis­sen ein Zeilen­maß zu geben. Fra­gen wirken zynisch und unterkühlt, fast unwirk­lich. Während das Opfer ver­sucht, Tather­gang, Täter, Zeu­gen, Trau­ma und Leid in ein vorgegebenes, immer gle­ich­es Schema zu pressen, durch­lebt es seine Qualen ein weit­eres Mal – ein inten­sives Mal. Es scheint, als fordere diese Bestand­sauf­nahme eher den Geschädigten als den Entschädi­ger.

 

Außergewöhnlich eindrucksvoll, nachdrücklich und stark

Wahls zweites Buch „Unken­rufe – Multi­bler Blick – Mohn­rosen” ist ein Gedichts­band. Auch hier ver­ar­beit­et sie wieder die Erleb­nisse ihrer Ver­gan­gen­heit. Ihr neuer Gedicht­band ist ein außergewöhn­lich­er Ver­such, Wan­del und Beständigkeit gle­icher­maßen zu umfor­men.

 

Im Klap­pen­text heißt es dazu:

 

Hautnah ist mir meine Innenwelt – Hautnah ist mir meine Außenwelt. Ich nehme die Natur und die Menschen auf unterschiedlichste Weise wahr. Ich begegne dem Kleinen wie dem Großen…

 

Wahl_Unkenrufe_Cover-U1 (002)Erin­nerun­gen an unzäh­lige grausame Ereignisse rin­gen mit der Erken­nt­nis, dass es doch immer das Gle­iche war – der gle­iche Schmerz, die gle­iche Angst, die gle­iche unbeschreib­liche Qual. Mit ein­dringlich­er Klarheit, unmit­tel­bar und doch auf unge­wohnt kurvi­gen Wegen führt sie ihren Stift.

 

Außergewöhn­lich ein­drucksvoll, nach­drück­lich und stark – die Gedichte von Marthe Wahl.

 

Ich lebe im inneren Winkel der Zeit

Mit jedem Schmerz der sein darf

Ich lebe im äußeren Winkel der Zeit

Mit dem Blick auf das gän­zlich Schöne

Und bin berührt

 

Ich und die Klangschalen (002)Über die Autorin:

Marthe Wahl (* 1957 in Neubran­den­burg) ver­brachte Ihre Kind­heit im Kinder­heim, bei den Eltern und bei der Groß­mut­ter. Begin­nend im früh­stem Kinde­salter wurde sie von ihrem Vater jahre­lang schw­er miss­braucht und gequält. Ihre Mut­ter starb, weil sie es nicht sehen wollte. Um Angst, Gewalt und Schmerzen zu ertra­gen und um zu über­leben, flüchtete sie in die Welt der VIELEN. Seit Jahren kämpft sie um eine angemessene Opfer­entschädi­gung. Heute lebt sie als anerkan­nte mul­ti­ple Per­sön­lichkeit in einem kleinen Ort an der Ost­seeküste.

 

Bei­de Büch­er erscheinen am 08.07. 2016  und sind dann direkt beim Ver­lag oder im Buch­han­del erhältlich:

Marthe Wahl
„Schaden genommen“
Mecklenburger Buchverlag GmbH
ISBN: 978–3‑944265–37‑7
Preis: 11,90 EUR

 

Marthe Wahl
„Unkenrufe – Multibler Blick – Mohnrosen“
Mecklenburger Buchverlag GmbH
ISBN: 978–3‑944265–36‑0
Preis: 10,90 EUR