Stadtvertretung stimmt knapp gegen den Erhalt der Paulshöhe

Schwerin, 12.12.2017 (red/sr). Gestern Abend war es denkbar knapp:  Mit nur einer Stimme Mehrheit stimmte die Stadtvertretung gegen einen Einwohnerantrag, der den Sportplatz Paulshöhe erhalten wollte. Zuvor hatten Befürworter und Gegner noch einmal ihre Argumente vorgetragen. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen forderte eine namentliche Abstimmung. Von Stefan Rochow

 

Sportplatz Paulshöhe in Schwerin.

 

Als man 2010 das Sportentwicklungskonzept für Schwerin beschloss, das unter anderem die Schließung des Sportplatzes Paulshöhe vorsah, war die Zustimmung in der Stadtvertretung groß. Schließlich hatten sich die Fußballvereine Eintracht, SSC und Dynamo selber hinter die Konzentration ihres Sports nach Lankow ausgesprochen. Damals erschien es den Verantwortlichen durchaus verlockend, dass in Lankow ein Fußballzentrum entstehen sollte und sowohl Stadt, Land und Landessportbund für dieses Projekt Geld in die Hand nehmen wollten. Nun gut sieben Jahre nach dem Beschluss, sieht die Welt etwas anders aus.

Je näher das Ende der Bewirtschaftung der Paulshöhe durch die Landeshauptstadt rückte, umso mehr Unmut tat sich vor allem bei Dynamo Schwerin auf, die auf diesem Platz seit vielen Jahren spielen. Diesem Unmut schlossen sich schnell auch Bündnis 90/Die Grüne, die Aktion Stadt- und Kulturschutz und Politiker aus der CDU an. Die Paulshöhe, so die Argumentation der Gegner einer Schließung dieser Sportstätte, sei ein „Traditionsplatz“ und müsse erhalten bleiben.

 

LINKE hat ursprüngliche Positionierung verändert

 

Bis in den September des letzten Jahres stand auch die Fraktion DIE LINKE hinter den Aufgabeplänen der Paulshöhe. Nachdem Angelika Gramkow (LINKE) allerdings als Oberbürgermeisterin abgewählt wurde, durchdachte auch ihre Partei noch einmal die bisherige Positionierung. Allerdings dürfte nicht nur die Umbesetzung der Verwaltungsspitze einen Ausschlag gegeben haben. Berechtigterweise wurde auch von der Stadtverwaltung schon vor Monaten darauf hingewiesen, dass sich die demografische Entwicklung in der Stadt verändert hat. Das Sportentwicklungskonzept von 2010 wurde deshalb noch einmal überarbeitet und gestern ebenfalls in der Stadtvertretung zur Abstimmung gestellt.

Ein wenig ging die Fleißarbeit der Stadtverwaltung gestern allerdings unter. Auf über 250 Seiten hatte sich die Landeshauptstadt Gedanken darüber gemacht, wie eine zukunftsfähige Entwicklung des Sports in Schwerin unter Berücksichtigung von angenommenen Bedarfen und Entwicklungen aussehen kann.

Henning Foerster (LINKE) sprach sich gestern Abend in seinem Statement in der Stadtvertretung für seine Fraktion gegen die Aufgabe der Paulshöhe aus. Einen Bedarf für einen Sportplatz würde es im südlichen Schwerin in den kommenden Jahren durchaus geben, so Foerster. Daher ist es für ihn unverständlich, wenn man auf der einen Seite über die Aufgabe der Paulshöhe redet, aber im selben Atemzug über den Bau bzw. Ausbau eines Sportplatzes auf dem Dreesch nachdenkt. Das man in einem Entwicklungsprozess auch ursprüngliche Positionierungen überdenken kann, dass ist für den LINKEN-Fraktionschef eine nachvollziehbare Sache.

 

Tradition gegen logistische Sinnhaftigkeit

 

Einzelstadtvertreter Karsten Jagau, der zu den Initiatoren des Einwohnerantrags gehörte, wies in seiner Rede darauf hin, dass Entscheidungen vor sieben Jahren nicht für die Stadtvertretung bindend sein können. Wenn sich die Situation ändert, dann müsse man seine Entscheidungen an diese Veränderungen anpassen. Die Paulshöhe würde sowohl als Sportplatz aber auch als ein Teil der „Stadtseele“ gebraucht.

Die AfD-Stadtvertreterin Petra Federau bemühte gestern Abend die Tradition, die für einen Erhalt der Paulshöhe spreche. „Wie gehen wir mit den sportlichen und gesellschaftlichen Erfolgen früherer Generation in der Stadt um?“, fragte Federau. Weitere Sportplätze würden in der Stadt gebraucht. Daher sollte sich jeder Stadtvertreter bei seiner Entscheidung überlegen, „welches Erbe hier zu Grabe getragen wird“.

Der Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Bürger (UB), Silvio Horn, stellte sich hinter das Konzept der Stadtverwaltung. Sportplätze müssten dort gebaut werden, wo sie „logistisch auch einen Sinn“ machen, so Horn. Hierzu habe die Stadtverwaltung entsprechende Vorschläge gemacht, die durch seine Fraktion mitgetragen werden. Die Fehlbedarfe, die da sind, würden mit dem neuen Konzept kompensiert werden. Im Hinblick auf die Paulshöhe fehlt Horn die Erklärung der Erhaltungsbefürworter, wie der finanzielle Bedarf in Zukunft gedeckt werden soll. „Wo ist der Investor dafür?“, fragte Silvio Horn gestern.

 

Verlässlichkeit soll Kommunalpolitik auszeichnen

 

Sebastian Ehlers von der CDU brach die Diskussion gestern wieder auf die rationale Ebene herab. Ehlers forderte gestern „seriöse Kommunalpolitik“ ein. Wenn man fünf Millionen aus Steuergeld in Lankow investiert hat, dann müsse man sich im Nachgang auch an den Weg halten, den man ausgemacht hat. Das die LINKE nun aus diesem Weg ausschert, ist für Ehlers kein Zeichen von Verlässlichkeit. „Wer für den Erhalt der Paulshöhe ist, der muss auch sagen, wo das Geld für die Sanierung des Sportplatzes herkommen soll“, so der CDU-Fraktionschef.

Daniel Meslien von der SPD sprach sich gestern auch gegen den Erhalt der Paulshöhe aus. Anders als die Befürworter den Eindruck zu erwecken versuchten, wäre ihre Initiative keine „Volksbewegung“ in Schwerin. So anerkennenswert auch über 2.100 Unterstützungsunterschriften sind, so weit sind sie am Ende von der Mehrheit der Menschen in Schwerin entfernt. „Heute reden wir darüber, dass die Paulshöhe aus der städtischen Bewirtschaftung herausgenommen wird“, so Meslien. Daher bestünde durchaus die Möglichkeit, für die Paulshöhe eine Alternativbewirtschaftung zu entwickeln. Das sei aber nun die Aufgabe der Befürworter des Erhalts der Paulshöhe.

 

Kommt ein Bürgerentscheid?

 

In der namentlichen Abstimmung konnten sich mit 20 gegen 19 Stimmen ganz knapp die Gegner des Einwohnerantrages durchsetzen. Für die Bürgerinitiative ist gestern Abend aber noch nicht das letzte Wort gesprochen worden. Zwar akzeptiere man die Entscheidung der Stadtvertretung. Es gebe aber weitere Wege, die Bürger am Ende abstimmen zu lassen. Diese Wege wolle man nun gehen. Die Initiierung eines Bürgerentscheids zur Paulshöhe benötigte 4.000 Stimmen. Ob dieser nun von der Bürgerinitiative auf den weg gebracht werden soll, blieb gestern Abend noch im Ungefähren.

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