Schwerin: Gästebranche hofft weiter auf Erleichterungen

Weiterhin hat das Gastgewerbe auch in Schwerin hart zu kämpfen. Viele hoffen auf weitere Lockerungen. Der Blick geht dabei in Richtung Landesregierung.

Auch in Schwerin gilt Maskenpflicht für Servicekräfte in Gastronomien. | Foto: Symbolbild

Inzwischen sind Hotels und Gastronomien in unserem Land und somit auch in Schwerin wieder geöffnet. Zuletzt konnten zuletzt auch reine Schankwirtschaften, also Kneipen & Co., ihre Türen wieder öffnen.  Nach einer mehrwöchigen Zwangsschließung im Rahmen des bundesweiten Lockdowns waren die Hoffnungen auf das bevorstehende Sommersaison-Geschäft groß. Allerdings zeigte sich schnell auch, dass nicht alles Gold ist, was glänzte. Daher schauen alle gebannt allwöchentlich auf die Kabinettsrunden in Schwerin.

Geltende Maßnahmen erschweren weiterhin das Geschäft

Vor allem die zahlreichen Maßnahmen zum Schutz von Personal und Gästen machen vielen Betreibern von Gastronomien, Hotels und Pensionen besonders zu schaffen. Denn nicht selten sind es in Gaststätten, Cafés, Bars und Kneipen weit weniger als 50 Prozent der sonst vorhandenen Plätze, die durch die Abstands- und Kontaktregeln aktuell nur zur Verfügung stehen. Innen wie auch außen. Zumindest dann, wenn man sich an die Regeln hält. Das hat natürlich wirtschaftliche Folgen für die vielen Unternehmen. Sie hatten die ohnehin nicht so umsatzstarke Wintersaison gerade geschafft, als der Lockdown kam. Das traditionell umsatzstarke Osterwochenende fehlt durch die erforderlich gewordenen Schließungen komplett. Und nun bedeuten die häufig nur noch 30 bis 40 Prozent des üblichen Platzangebots entsprechende Einnahmeausfälle. Viele der Kosten aber laufen zu 100 Prozent weiter.

Weniger Gäste, leere Tische, weniger Umsatz. | Foto: Symbolbild

Großer Teil der Unternehmen machte zuletzt trotz Öffnung Verluste

Lars Schwarz, Präsident des DEHOGA-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern, bestätigt gegenüber unserer Redaktion die Problematik. „Eine Branchenumfrage hier im Land hat gezeigt, dass ein Großteil der Unternehmen maximal 50 Prozent ihrer sonst üblichen Umsätze einfährt. Teilweise liegen die Zahlen sogar deutlich darunter.“ Noch dramatischer aber ist eine andere Zahl. Stand vor ca. 14 Tagen erklärten laut Lars Schwarz etwa 90 Prozent der befragten Unternehmen, dass die aktuellen Umsätze nicht für die laufenden Kosten ausreichen. Anders ausgedrückt: Ein Großteil der Branche produziert trotz Öffnung Verluste. Nun mag sich die Situation in einigen Hotels etwas verbessert haben, denn die Zahlen stammen noch aus den Tagen, als maximal 60 Prozent der Betten belegt werden durften. Dennoch aber sind die Angaben der Betroffenen alarmierend.

Viel Unterstützung auch in Schwerin – aber reicht das?

Nun bleibt natürlich abzuwarten, inwieweit die verschiedenen angekündigten bzw. angelaufenen Hilfsprogramme und Übergangshilfen die am Horizont aufziehende Gefahr von Schließungen in Größenordnungen verhindern können. Hier sind verschiedene Programme angelaufen und sicherlich können die Gelder manche Not etwas lindern. Auch so unbürokratische Entscheidungen wie in Schwerin, die Gebühren für Außengastronomien sowie die Übernachtungssteuer auszusetzen, sind zweifelsfrei wichtig und hilfreich. Auch eher unbürokratische Genehmigungen neuer außengastronomischer Flächen sind wichtige Punkte dabei. (Wir berichteten z.B. vom Bistro „Feine Kost“ in Schwerin und der dort neu eingerichteten Terrasse.) Dennoch aber wissen wir vermutlich erst im Frühjahr 2021, welche direkten Folgen der Lockdown und die aktuellen Einschränkungen für die Branche mit sich gebracht haben. Dies bestätigt auch Lars Schwarz. Denn die Gefahr ist riesig, dass die Unternehmen ohne oder mit zu wenig Finanzpolster in die oftmals umsatzschwächere Wintersaison gehen müssen.

In Hotels und Gastronomien in MV sind Buffets derzeit nicht gestattet. | Foto: Symbolbild

Einschränkungen für Familienfeiern weiter großes Problem

Eines der ganz großen Probleme stellt weiterhin die gesamte Situation der die Familienfeiern einschränkenden Vorgaben dar. Dies gilt für Hotels wie auch Gastronomien – insbesondere aber besonders für gastronomisch begleitete reine Eventstätten. (Wir berichteten hier über den Strandpavillon in Schwerin.) Denn sie alle sind zu wesentlichen Teilen bzw. auch nahezu vollständig von Familienfeiern wie Geburtstagen, Hochzeiten, Einschulungen etc. abhängig. Doch weiterhin sind Buffets, die gerade für größere Gesellschaften in der Regel der gängige und einzig praktikable Weg sind, verboten. Seit neuestem ist auch das Tanzen auf diesen Veranstaltungen untersagt.

Und weiterhin dürfen auch Feiern nicht länger als bis 0 Uhr dauern. „Das war schon extrem überraschend für uns, als wir erstmals in die aktuellen Verordnung des Landes schauten. Bislang durften maximal 30 Personen gastronomisch betreut feier. Nun sind es zwar 75. Ein guter und wichtiger Schritt. Allerdings durften die 30 noch tanzen – die 75 nicht mehr“, so Lars Schwarz. „Das muss sich dringend ändern. Wir hoffen dabei auf eine Anpassung im Sinne der bisherigen Regelungen. Denn jetzt sind die Regeln praktisch verschärft.“

Auch inS chwerin sind z.B. in Supermärkten öffentliche Buffets erlaubt. | Foto: Symbolbild

Warum offenes Buffet im Supermarkt aber nicht bei Familienfeier?

Auch das Buffetthema sieht Lars Schwarz kritisch. „Es wirft schon Fragen auf, weshalb im Einzelhandel offene, durch niemanden betreute Speisebuffets stehen dürfen. Aber in Gastronomien sind Buffets verboten.“ Schwarz geht es dabei nicht um eine Neiddebatte, sondern vielmehr um Logik. „Im Discounter oder Supermarkt liegen dann zwei Zangen öffentlich herum, und jeder Kunde fasst sie ohne jede Desinfektion an. Da ist auch kein Verkäufer dabei in der Regel. Und zusätzlichen Spuckschutz gibt es auch häufig nicht. Für unsere Branche hingegen ist Hygiene das tägliche Geschäft. Und die meisten Gastronomen haben längst Konzepte, die auf ihre Häuser abgestimmt sind, und die Buffets für einen namentlich bekannten Kreis in geschlossenen Räumen möglich machen.“ Eine Situation, die auch Anita Bötefür aus dem Strandpavillon in Schwerin Zippendorf bestätigte. „Daher kann die Devise nur heißen: Tanz und Buffet in diesen konkreten Fällen müssen wieder gestattet werden“, so Lars Schwarz.

Lösungen für Buffets liegen auf dem Tisch

Etwas diffiziler sei die Situation bei den Frühstücks- und auch Abendbuffets in Hotels. „Hier aber liegt der Landesregierung inzwischen ein detaillierter Vorschlag unserer Branche vor, um diese Problematik zu lösen. dazu gehören dann leider auch abgepackte Einzelportionen, Einbahnwege-Systeme, durch Personal betreute Stationen und vieles mehr. „Ganz so schön und frei wie bisher geht es derzeit eben nicht. Aber es gibt Lösungen, und die sollten wir jetzt auch wagen“, so Lars Schwarz gegenüber unserer Redaktion.

Leider halten sich auch in Schwerin nicht alle Gastronomen an die Regeln. | Foto: Symbolbild

Regelbrecher könnten weitere Lockerungen erschweren

Bleibt also zu hoffen, dass das Bitten der Branche den Kabinettstisch in Schwerin erreicht, und vielleicht in der kommenden Woche viele der Wünsche Gehör finden. Wichtig aber wird dabei auch sein, dass die Gastronomen und Hoteliers sich an die geltenden Regeln halten. Denn aktuell zeichnet sich doch bei einigen eine eher flapsige Einstellung diesbezüglich ab. In Schwerin zumindest erlebt man weiterhin die Fälle, in denen Personal ohne Maske unterwegs ist und die Gäste nicht ihre Daten angeben müssen. Auch die inzwischen auf 0 Uhr erweiterte Zeit der Schließung nimmt nicht jeder Gastronom ernst. Das ist nicht nur unkollegial denen gegenüber, die die Regeln einhalten. Es bleibt natürlich auch der Politik nicht verborgen. Bleibt zu hoffen dass diese Regelbrecher letztlich nicht der ganzen Branche ein Bein stellen hinsichtlich weiterer Lockerungen.

 

Henning Kobs

Journalist. Wohnt in Braunschweig. Schreibt seit der Gründung im Jahr 2013 als freier Mitarbeiter gelegentlich für unsere digitale Tageszeitung. Er arbeitet vor allem im Back-Office der Redaktion.

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