Schwerin: Protest gegen AfD-Klimafilm

Am gestrigen Abend fand in Schwerin der angekündigte Filmabend der AfD zum Klimawandel statt. Überwiegend junge Menschen protestierten lautstark dagegen.

Etwa 30 überwiegend junge Menschen protestierten in Schwerin gegen einen Filmabend der AfD zum Thema „Klimawandel“. | Foto: schwerin-lokal

Wie wir bereits berichteten, hatte die AfD-Schwerin am gestrigen Dienstag zu einem Filmabend eingeladen. Gezeigt wurde der als Dokumentarfilm angekündigte Streifen „Mythos Klimakatastrophe“. Zum Protest gegen die Partei und deren Ansichten in Bezug auf den Klimawandel hatte über Facebook ein Bündnis der Gruppierungen „Schwerin gegen Rassismus“ und „Schwerin für alle“ aufgerufen. Man wollte „diesem Treiben etwas entgegensetzen“.

In schon in der Nacht hatten Unbekannte den Gehweg und die Straße vor dem AfD-Büro mit Parolen beschmiert. | Foto: schwerin-lokal

Unbekannte beschmieren Gehweg und Straße vor AfD-Büro

Dass diese Ankündigung durchaus ernst zu nehmen war, konnten die Schweriner schon in den frühen Morgenstunden in der Friedrichstraße erleben. Denn dort hatten bislang Unbekannte mit gelber Farbe Parolen auf Straße und Gehweg geschmierte. Aufgrund der Aussagen der Schmierereien war ein Bezug zur abendlichen Filmveranstaltung nicht von der Hand zu weisen. Der AfD-Landtagsabgeordnete Dirk Lerche dazu: „Die Gesellschaft muss ein klares Zeichen gegen Links- und Ökoextremismus setzen. Von Tätern aus dem linken Spektrum ist wegen der Wortwahl jedenfalls auszugehen. Man kann immer gern mit uns diskutieren – aber Personen, die Gewalt gegen Menschen oder Sachen als Teil der Meinungsäußerung verstehen, haben den Rahmen der demokratischen Diskussionskultur schon längst verlassen.“

Überwiegend junge Protestveranstaltung gegen AfD-Veranstaltung

Etwa 30 bis 35 Menschen folgten diesem Aufruf zum Protest. Zwischenzeitlich trennten fast eben so viele Polizisten die beiden durchweg friedlichen Veranstaltungen. Nach den Ereignissen am Morgen und den Aufrufen im Internet hatte die Polizei Schwerin ein entsprechendes Aufgebot an beamten zum Veranstaltungsort entsandt. Anders als sonst waren überwiegend junge Menschen gekommen, um ihren Unmut gegenüber den eher kritischen Ansichten der AfD zum menschverantworteten Klimawandel zu bekunden. Vermutlich war es vor allem das spezielle Thema, das sich die AfD ausgesucht hatte. Denn viele der Gesichter in den Reihen der Gegendemonstranten engagieren sich auch im Rahmen der „Fridays For Future“-Bewegung in Schwerin. Sie setzen sich wiederholt und an verschiedenen Stellen aktiv für Klimaschutz und ein Umdenken in der Politik wie der Gesellschaft ein.

Lautstarke Forderungen für eine sichere Zukunft

Obwohl die Zahl der Demonstranten eher klein war, machte die Gruppe letztlich doch recht lautstark auf sich aufmerksam. Dabei nutzen verschiedene Veranstaltungsteilnehmer das offene Mikro, um ihre Forderungen und Ansichten lautstark in Richtung des etwa 50 Meter entfernten AfD-Büros zu transportieren. Sie riefen unter anderem zu einem „klaren Bekenntnis zur Zukunft“ auf, um „dem Klimawandel entschieden entgegentreten zu können“. Immer wieder forderten sie die Schaffung einer generationenübergreifenden Zukunft. Ein Redner wandte sich konkret an die Mitglieder und Wähler der AfD und forderte diese auf, „auf ihr Gewissen zu hören“, und für die Zukunft der kommenden Generationen einzutreten.

Sie waren friedlich aber laut, die Demonstranten am gestrigen Abend in der Friedrichstraße in Schwerin. | Foto: schwerin-lokal

Parolen gegen AfD und auch gegen das derzeitige System

Neben dieser konkreten thematischen Auseinandersetzung mit dem Klimawandel, verbargen die Demonstranten aber auch nicht ihre klare Ablehnung der Ansichten und politischen Ausrichtung der AfD. Es handele sich „um alte weiße Männer, die Angst haben, dass man ihnen ihr Auto wegnimmt. Sie sind nicht die Zukunft“, so ein Redner. Immer wieder hallten lautstark Anti-AfD-Sprüche wie auch gesellschaftskritische Parolen durch die Friedrichstraße. „Staat, Nation, Kapital – Scheiße“ hieß es da ebenso wie „Hinter dem Faschismus steckt das Kapital“. Erneut präsentierte sich eine stark politisierte und extrem kritische Jugend, die ihrem Protest und ihren Forderungen nach einer sicheren Zukunft öffentlich Nachdruck verleihen möchte.

Andreas Katz: „Das sind Lügner und Verbrecher in dem Film“

Und auch Andreas Katz, in Schwerin seit vielen Jahren bekannt als klarer Gegner der AfD und Verfechter einer vielfältigen Gesellschaft, fand entsprechend deutliche Worte: „Das sind Lügner und Verbrecher, die in dem Film, der heute dort gezeigt wird, zu Wort kommen. Das kann man nicht als Meinungsfreiheit ertragen“.

Damit bezog er sich auf den angesprochenen Film „Mythos Klimakatastrophe. Diesen zeigte die AfD in einem durchaus gut gefüllten Raum nur wenige Meter entfernt bei heruntergelassenen Rollläden. Ein Film, der die derzeitig mehrheitliche Meinung zu den klimatischen Entwicklungen nahezu durchweg in Frage stellt. Und ein Film, über den selbst eine intensive Recherche nur wenig wirklich Informatives zu Tage bringt. Außer dem Umstand, dass  er über die „Junge Freiheit“, die als eines der Leitmedien der Neuen Rechten angesehen wird, produziert und vertrieben wird. Ansonsten finden sich nur wenige Informationen zu dem Film auf eher politisch entsprechend ausgerichteten Websites. Der Trailer zum Film kann auf youtube abgerufen werden.

Deutliche Präsenz zeigte die Polizei Schwerin. Die Beamten hatten aber einen ruhigen Dienst. | Foto: schwerin-lokal

Demonstranten nutzen öffentliche Einladung 

Bei allem Protest muss aber ganz klar gesagt werden, dass beide Seiten absolut friedlich blieben. Während die AfD-Sympathisanten eher still und manchmal kopfschüttelnd in Richtung Wahlkreisbüro gingen, um sich in ihren Ansichten zum Thema Klimawandel Bestätigung zu holen, nutzten die jungen Protestler ihr Demonstrations- und Versammlungsrecht. Und sie nutzen die Einladung zur öffentlichen Filmpräsentation. Denn kurz vor 19.00 Uhr gingen fünf Gegendemonstrantinnen zum AfD-Büro und wurden dort auch in die laufende Filmpräsentation hineingelassen. Einige weitere junge Demonstranten folgten noch. Vor der Tür blieben die Beamten der Polizei Schwerin. Sie mussten noch bis zum Abschluss der Veranstaltung dort ihren Dienst verrichten.

 

Stephan Haring

Stephan Haring ist freier Mitarbeiter unserer digitalen Tageszeitung. Er hat ein Bachelor-Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Erfurt mit den Nebenfächern Sozialwissenschaften & Politik absolviert. Im Nachhinein arbeitete er in leitenden Funktionen der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, im Leitungsbereich eines Unternehmens sowie als Rektor einer privat geführten Hochschule. Über mehrere Jahre organisierte und realisierte er mit der durch ihn entwickelten LOOK das größte Schweriner Fashionevent. Er arbeitet er freiberuflich als Texter, Pressesprecher, Textkorrektor und Ghostwriter sowie als Berater in verschiedenen Projekten. Im größten Schweriner Ortsbeirat ist er als Vorsitzender kommunalpolitisch aktiv.

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