Was ist der Generation Z in Bezug auf den Job wichtig?

Work-Life-Balance und faire Gehälter - aktuell noch eher weniger die Chance auf HomeOffice. Die Generation Z will arbeiten, aber sie hat auch klare Vorstellungen, wie die moderne Arbeitswelt aussehen sollte. Nun können sich Arbeitgeber darüber aufregen - oder sie denken um, und werden so für den Nachwuchs attraktiv. Eine Studie von Studierenden der FHM gibt dabei Denkanstöße.

v.l.n.r. Richard Wohlfahrt, Hannes Schlosser, Jonas Steinbach, Merle Bemlotte, Prof. Dr, Vera Seidemann, Amalia Stehle. | Foto: Fachhochschule des Mittelstands.

Berühmt berüchtigt scheint die Generation Z. Zumindest, wenn man einer doch vorherrschenden Arbeitgeber-Sicht folgt. Faul, verwöhnt, viel zu anspruchsvoll und immer auf dem Sprung zum nächsten Job, so die Einschätzungen. Aber stimmt das? Worauf müssen sich die Arbeitgeber Mecklenburg-Vorpommerns in Bezug auf die Generation Z tatsächlich einstellen? Und was wollen junge Menschen im nordöstlichsten Bundesland eigentlich in ihrem späteren oder aktuellen Arbeitsleben erreichen?

 

Studierende betrachten Generation Z genauer

Diesen Fragen gingen Marketing-Management-Studierende der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) im Auftrag einer Werbeagentur und des Finanzministeriums Mecklenburg-Vorpommern nach. Ein Trimester lang befragten sieben Studierende unter der Leitung von Hochschullehrerin Prof. Dr. Vera Seidemann zahlreiche Schüler, Experten, Lehrkräfte und auch Berufsberater in Einzelinterviews. Mit kompletten Schulklassen kamen sie zudem in Form von Gruppendiskussionen ins Gespräch. Und weit mehr als 250 junge Menschen aus der Generation Z aus ganz Mecklenburg-Vorpommern beantworteten einen Online-Fragebogen.

 

Work-Life-Balance bleibt wichtigster Punkt

Die Ergebnisse des Projekts stellten sich schnell als alles andere als lahm oder unbedeutend heraus. Zu recht stolz präsentierten sie die Studierenden Ende Mai dem Zentralen Personalmanagement der Landesverwaltung im Finanzministerium. Das Wichtigste ist und bleibt laut der Erhebung der jungen Generation die Work-Life-Balance. Ein Begriff, der, um die richtige Reihenfolge nochmal hervorzuheben, auch gerne als „Life-Work-Balance“ bezeichnet wird. Doch was versteht die junge Generation darunter genau? „Wenn es darum ging, dieses Schlagwort näher zu spezifizieren, gehen die Meinungen auseinander“, so Prof. Dr. Vera Seidemann. „Einige sehen die Balance darin, dass Arbeitszeiten wie im Vertrag vereinbart auch streng einzuhalten seien. Andere sehen es eher so, dass sie ihre persönliche Erfüllung auch im Job finden möchten. Sie wollen den Sinn ihrer Tätigkeit erkennen und ihn gleichermaßen auch stiften, so dass es eben kein „nine to five“-Job ist, sondern die Balance eher darin liegt, dass sie die Arbeit selbst als lebenswert empfinden.“

 

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Gerade jetzt – Auch Gehalt von großer Bedeutung

Bei anderen Themen sind sich viele der Befragten einig. Denn mindestens genauso wichtig wie die Work-Life-Balance sind laut der Studie die Bezahlung und auch das Einstiegsgehalt. „Das ist nicht weiter verwunderlich, denn diese Generation hat die Sorgen und Ängste der Eltern während der Pandemie miterlebt. Sie lebt in einer Zeit, in der ein Krieg in Europa tobt und die Preise rasant ansteigen“, sagt die Professorin und sieht auch grundsätzlich eher eine Tendenz in Richtung eines größeren Sicherheitsbedürfnisses. Während ein attraktives Gehalt gerade mit Blick auf die aktuelle Situation den Lebensunterhalt absichert, so ist der Wunsch nach einer viel grundlegenderen Sicherheit bei der Generation Z auch erstaunlich stark. Denn die Jugendlichen wollen eine Arbeitsplatzsicherheit. Dabei sei diese, so Frau Prof. Seidemann im Gespräch mit schwerin-lokal, letztlich wohl gar nicht auf einen konkreten Job bezogen. Vielmehr scheint es der Wunsch zu sein, grundsätzlich immer einen Arbeitsplatz sicher zu haben.

 

Unerwartet klares Sicherheitsbedürfnis zeichnet sich ab

Einig ist sich die Generation Z auch darin, was sie nicht oder zumindest nicht prioritär möchte. Dabei tauchen auch „flache Hierarchien“ auf. Diese scheinen der Generation Z nicht mehr so wichtig zu sein. Zumindest zeichnet das Ergebnis der Studie dieses Bild. Nicht abschließend klar allerdings ist, ob dahinter vielleicht auch der Gedanke seitens der Jugendlichen steckt, dass die Zeiten typisch deutsch-klar strukturierter Hierarchien auch schon vorbei sein könnten. Und auch die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten, scheint derzeit kein Benefit zu sein, mit dem Arbeitgeber bei der neuen Generation punkten können. Prof. Dr. Vera Seidemann dazu: „Allzu verständlich, denn zu Hause war diese junge Generation wirklich nun lange genug.“

 

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Generation Z hat deutlich mehr zu bieten als ihr Ruf

Mit was für einer Generation haben wir es also zu tun? Ist „Generation Z“ tatsächlich derart arbeitsunwillig und anspruchsvoll, wie man ihr hinlänglich nachsagt? Ganz so möchte Prof. Vera Seidemann das keinesfalls stehenlassen. In vielerlei Hinsicht seien die betreffenden Jugendlichen vermutlich anders, als man es bislang gewohnt war. Und sicherlich hätten sie auch durchaus bislang nicht so gekannte Ansichten. Aber ein Blick auf die Studie macht deutlich – und das scheint eben eine der zentralen Überraschungen zu sein – dass hinter vielen der Gedanken und Wünsche ein unerwartet großes Sicherheitsbedürfnis steckt. Prof. Seidemann sieht sogar eine Rückbesinnung in manchen Bereichen: „Die Generation Z holt viele Themen wieder auf’s Parkett, die andere Generationen vielleicht etwas vergessen hatten.“ Und hinzu kämen sind zweifelsfrei gute neue Impulse, die es aufzugreifen gelte.

 

Bei manchem Arbeitgeber müssten Alarmsirenen läuten

Sind es auch nur Streifzüge möglicher Wünsche oder auch weniger wichtiger Punkte der Generation Z hinsichtlich ihres zukünftigen Arbeitslebens, die aus der Auftrags-Studie öffentlich werden können, so sollten sie doch gerade auch vielen privatwirtschaftlichen Arbeitgebern in Mecklenburg-Vorpommern ein Signal sein. Denn noch viel zu oft sind die Unternehmen hier in den Denkmustern und Strukturen der 1990er Jahre – und sogar der Zeit davor – verhaftet. Mit oftmals starken Vorurteilen stehen viele der kommenden Generation gegenüber. Während andernorts beispielsweise längst Arbeitszeitverkürzungen bei gleichen Löhnen und vollkommen neue Flexibilitäten an der Tagesordnung sind, sieht dies in MV nicht häufig anders aus. Ganz zu Schweigen von den Löhnen. Nicht selten bekommen die Eltern der Generation Z hier nach 20 oder gar 25 Jahren Arbeitsleben Gehälter angeboten, die nahe bei oder gar unter den Einstiegsgehältern in manch anderen Regionen Deutschlands für vergleichbare Jobs liegen. Von den Einstiegslöhnen ihrer Kinder in MV ganz zu schweigen.

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